Trek Remedy 9 RSL 27,5 + Fox X2 Erfahrungsbericht

Das Trek Remedy gilt schon seid vielen Jahren als das Allmountain schlecht hin. Gut, der Begriff Allmountain wurde erst in den letzten Jahren geboren, beinhaltet aber einfach nur die Attribute „gut pedalierbar“ und „genial in der Abfahrt“. Eigenschaften, die ein gutes Mountainbike in sich vereinen sollte.

Trek Remedy 9 RSL Custom + Fox Float X2

Mit der Full Floater Technologie baute Trek bereits vor einigen Jahren eine Dämpferaufhängung, die seinesgleichen suchte. Der gleitende zwischen zwei Kontaktpunkten aufgehängte Dämpfer, war lange Zeit revolutionär. Mit ihm gelang es Trek, kleine Schläge effizienter zu verarbeiten und höher im Federweg zu stehen. Die sanfte Progression soll deutlich mehr Federweg vermitteln. Alles nur Marketinggeblabbel?

Gut, der Begriff Allmountain wurde erst in den letzten Jahren geboren, beinhaltet aber einfach nur die Attribute „gut pedalierbar“ und „genial in der Abfahrt“

Nach Rahmenbruch bei meinem Haibike, fuhr ich lange Zeit das Specialized Enduro Comp von 2012 in Rahmengröße L. Mit meiner Körpergröße von 188 lag ich exakt zwischen L und XL und genau das wurde mir auch zum Verhängnis. Diverse Optimierungen brachten nicht den gewünschten Effekt. Der Vorteil der Wendigkeit (was für technisches Bikebergsteigen von Vorteil ist) wurde mit dem „gedrungene Gefühl“ teuer erkauft. Rückenschmerzen bei langen uphills waren deshalb die Regel. Durch meine große Schrittlänge und der deshalb weit überstehenden Sattelstütze, musste man auch permanent von hinten treten.  Trotz alldem schaute ich mich 2017 beim Specialized Händler um. Es gab einen Launch des Enduros und die Hoffnung war groß, das die Oberrohrlänge auch dementsprechend angewachsen sei. Insgesamt war ich nämlich von den Fahreigenschaften der Enduros sehr angetan, auch wenn man bei hohen Geschwindigkeiten beim alten Comp Sicherheit und Spurtreue vermisste. Für unseren Einsatzzweck war es allerdings optimal.

Full Floater Hinterbau – eine geniale Erfindung! 2019 aber nicht mehr im Remedy

Ein Probesitzen am neuen Enduro sowie die Ausstattungsliste (Yari vs Lyrik usw) ließ mich allerdings deutlich zweifeln. Der Blick zu Alternativen war dadurch geöffnet.

Der örtliche Trekhändler war also einen Besuch wert. Das Probesitzen am Trek Remedy 9 RSL fühlte sich von der ersten Sekunde sehr gut an. Lediglich der als Feature verkaufte Knock Block ließ mich kurz zögern. Engste Spitzkehren mit Lenkanschlag war gar nicht in meinem Sinne. Der zuvorkommende Händler optimierte diesen aber nach meinen Wünschen. Mir war allerdings klar, dass trotzdem einiges geändert werden muss. Mir unverständlich war nämlich hinten und vorne einen 180er Bremsscheibe verbaut. Eine Dimension die bei eine „Race Edition“ – also mehr Enduro als All Mountain – eigentlich außer bei Leichtgewichten nichts verloren hat.

Nach einem Jahr intensiven Biken mit 100 000 hm und einiges mehr Tiefenmetern musste einiges „getuned“ werden.

Sattelstütze: Die ab Werk verbaute Bontrager 125mm Sattelstütze klemmte mehrmals und war bei meiner Schrittlänge alles andere als optimal. Stattdessen verpasste ich dem Remedy die Bike Yoke Revive 185mm 2.0 die bei mir eine absolute Sorglos-Stütze ist.

Bremsen: Mit Sram Bremsen hatte ich bereits meine Erlebnisse. Umso skeptischer war ich auch. Die Guide RS schien besser zu sein. 90 kg Fahrgewicht (inkl. Rucksack) ließ mich am „Free Fall“ Trail am Gardasee dann aber verzweifeln und sehr schnell zur Entscheidung kommen doch ein upgrade vorzunehmen. Die Performance nahm nämlich über die Monate rapide ab. Seit die Magura MT7 verbaut ist gab es kein Bedürfnis mehr nach mehr Bremskraft.

Reifen und Felgen: Ok, bei den Felgen hat Trek gespart. Sie sind zwar breit und vom Gewicht noch halbwegs akzeptabel aber dafür sehr Dellen-anfällig. In Kombination mit den Bontrager SE4 Reifen musste ich einen Durchschlag nach dem anderen verzeichnen. Gut, meine Fahrweise passte sich seit dem Remedy auch deutlich den Eigenschaften des Bikes an. Schneller und kompromissloser! Abhilfe kam erst, als ich die deutlich schwereren Schwalbe Reifen in der Super Gravity Ausführung aufgezogen hatte. Ein kurzer Ausflug zu Maxxis hat mich kürzlich wieder zurück zu Schwalbe geführt.

Dämpfer: Der von Trek und Penske Racing optimierte Rock Shox Deluxe RT3 macht wirklich einen super Job. Steht hoch im Federweg und bietet eine angenehme Progression gegen Ende. Warum also tauschen? Nennen wir es einfach beim Namen: der Fox X2 sieht einfach geil aus und bietet bergab noch mehr Reserven. Und ja es stimmt! Nochmals eine Spur feinfühliger und plüschiger aber auch weniger Progression. Wenn es also hart und schnell her geht, fühlt es sich manches mal mehr nach Durchschlag an. Allerdings fährt man halt auch um den Zacken schneller. Bei geschlossener Plattform bekommt man den Hinterbau nicht ganz so wipp frei wie beim Deluxe.

Sattel und Griffe: Die wurden gleich zu Beginn gegen meine heiß geliebten Ergon ausgetauscht. Der passt einfach besser zu meinem Arsch 😉

Fazit:

Der steife Hinterbau des Trek Remedy 9 RSL bietet unglaublich viel Sicherheit und ist trotzdem noch halbwegs verspielt. Bei weitem nicht so wie das Specialized Enduro von 2012 aber vollkommen ausreichend, um auch schwierige technische Passagen zu meistern. Gewichtsoptimierung war bei uns nie ein Thema, deshalb ist das Bike auch kein Leichtgewicht. Mit über 15,6 kg gewinnt man bergauf kein Rennen – muss man aber auch nicht. Tagesetappen bei den Transalps oder lange Tragepassagen von über 2000 hm waren trotzdem kein Problem. Gewicht sparen wir lieber bei uns selbst. Bergab ist das Bike jedoch eine Wucht! Es verleitet immer schneller und aggressiver zu fahren. Der große Bruder mit dem Slash 29 Zoll dürfte vielleicht noch einen ticken kompromissloser sein, verliert aber im Vergleich zum Remedy nochmals an Agilität. Mit meinen „Optimierungen“ habe ich ein Alubike das keine Wünsche (für mich) offenlässt. Und genau das war das Ziel – Carbon war nie ein Thema.  Die 150 mm Federweg fühlen sich am Hinterbau deutlich nach mehr an. Einziger kleiner Wehrmutstropfen ist die definitiv schlechte Lackqualität (großflächiges Abkleben sinnvoll) die mehrfach in Tests bekrittelt wurde und das relativ hohe Gewicht. Wer ein Bike sucht, mit dem er bergauf noch gut fahren kann und bergab so richtig Gas geben will, der ist mit dem Remedy perfekt aufgestellt. Auf langen Touren oder im Bikepark – alles kein Problem für das Mountainbike.

Mit dem neuen Remedy 2019 verzichtet Trek erstmals auf den Full Floater Hinterbau. Laut Aussage von Trek gibt es keine Notwendigkeit mehr dafür, da die neuen Dämpfer deutlich besser funktionieren. Ob dies der Wahrheit entspricht oder reines Marketing ist, wird man sehen. Wenn man aber die Tests beim Slash betrachtet, welches ebenfalls auf den Full Floater Hinterbau verzichtet, dürfte das neue Remedy 2019 nichts an seinen Fahreigenschaften im Downhill Einbußen.

Wer ein Bike sucht, mit dem er bergauf noch gut fahren kann und bergab so richtig Gas geben will, der ist mit dem Remedy perfekt aufgestellt.