Stoneman Trail – der Bann ist gebrochen!

Nach einer hartnäckigen Fingerverletzung musste ich mich notgedrungen nach alternativen Sportarten umsehen. Der Klettersport wurde also kurzerhand (vorübergehend) an den Nagel gehängt und stattdessen das Mountainbiken entdeckt. Tagestouren bei uns in den Alpen wurden fast täglich abgespult doch das eigentliche Ziel war eine Alpencross.

Mit zwei kleinen Kindern ist die Realisierung allerdings recht komplex, so dass wir uns vorerst „nur“ 3 freie Tage rausboxen konnten. Was also machen bei diesem Zeitfenster? Auf der Suche nach einer Drei-Tages-Tour mit hohen Singletrail Anteil und schönem Panorama kamen wir unweigerlich auf Roland Stauders Stoneman Dolomiti. Auf 115 km gilt es 4000 HM zu überwinden mit stetigem Blick auf die grandiose Landschaft der Dolomiten. Geklettert bin ich in dieser Gegend schon einiges, aber die Perspektive eines Mountainbikers kannte ich bis dahin noch nicht.

Gestartet wurde nach unserer Anreise vormittags in Toblach Ortszentrum. Vorbei an der Schönegger Säge hieß unser Tagesziel Marchkinkele. Mit 2545 m der zweithöchste Punkt der ganzen Rundtour. Zur Orientierung wurden von Roland Stauder entlang der ganzen Strecke kleine Steinmänner aufgebaut und Markierungen angebracht, so dass eine zusätzliche Navigation mit GPS oder Karte nicht nötig ist. Für uns Einsteiger war dies geradezu perfekt.

Kurz vor Start der Tour bekam unsere bessere Hälfte eine nagelneues Allmountain Bike von Ghost. Bei den Pedalen mussten wir, bis die Neuen endgültig geliefert wurden uns inzwischen mit billigen Bärentatzen aushelfen. Nur mit Glück ließ dieser Umstand nicht unsere Tour ins Wasser fallen. Die langsam lösenden Pedale rieben nämlich unbemerkt beim Aufstieg auf die Marchkinele, dass Gewinde der Kurbel plan. Oben angekommen eierte nicht nur das Pedal, es ließ sich auch ganz einfach raus und reinstecken. Reparaturversuche mit Panzerband usw. verliefen leider erfolglos. So hieß es, den anschließenden Singletrail Richtung Winnebach sitzender Weise und einbeinig hinter sich zu bringen. Glücklicherweise erwischte ich noch am Gipfel einen Freund, der zufälligerweise ebenfalls Richtung Dolomiten unterwegs war. Ein Zwischenstopp in einem Bikeshop in Lienz rettete unsere Tour. Unser Treffen in Winnebach und die Montage der neuen Kurbel musste natürlich noch anständig gefeiert werden. So kam es dann auch, dass wir die letzten 9 Kilometer bis Sillian recht angeheitert und lustig hinter uns brachten.

Tag 1 
1456 HM
43,83 km
GPS Daten (die Linienführung nach Winnebach hat sich aufgrund von Problemen mit dem Bauern ein wenig geändert. Deshalb sind die GPS Daten nur mit Vorbehalt. Die genaue Abfahrt ist auf http://www.stoneman.it/de/content/stoneman-dolomiti zu finden)

Das Wetter war uns wohlgesinnt. Dankbar für den großen „Pedal-Zufall“ ging es bei heißen Temperaturen auf einer Schotterpiste Richtung Leckfeldalm. Ziemlich steil bergauf näherten wir uns langsam der Silianer Hütte. Der wunderschöne Singletrail schlängelt sich 15 km in einem stetigen auf und ab knapp unterhalb der Berggrate entlang. Mit dem Highlight der Demuth Passage (ein kurzes ausgesetztes aber fahrbares Stück)  geht es Richtung Monte Spina von wo weg man nur mehr Höhenmeter frisst. Wer die Augen offen hält findet dort auch sehr lohnende Trailvarianten bis nach Padola.

Tag 2
1802 HM
37,02 km
GPS Daten

Nach einer anständigen Stärkung Pizza/Pasta und Wein in Padola begleitet von Blitz und Donner folgte unsere letzte Etappe. Sie war recht überschaubar da wir am selben Tag nach Hause fahren musste um unsere Kids abzuholen. Deshalb „nur“ 800 HM die wir vor hatten noch am Vormittag abzustrampeln. Versteckte Wege und Pfade führten uns nun am Fuße der Dolomiten bis nach Sexten. Einige Trails die aber leider von unzähligen Fußgänger frequentiert wurden (die natürlich immer Vortritt hatten!) konnten dadurch nur geschoben werden. Aber was erwartet man auch wenn man mitten im Ferragosto in Italien unterwegs ist. Der höchste Punkt dieser Etappe war diese mal inmitten eines Skigebietes. Aber selbst das sollte der Schönheit keinen Abbruch tun. Auf weitern Trails ging es nach Sexten um am Radweg die letzten Kilometer bis nach Doblach aus zu rollen.

Tag 3

838 HM
33,07 km

Fazit:Wunderschöne Runde die man nur Empfehlen kann. Singletrails gepaart mit Traumkulisse – mehr ist nicht zu sagen. Wer es für sein Ego (oder Trophäenschrank) braucht kann sich noch registrieren lassen und die Tour in ein, zwei oder drei Tagen fahren und dafür eine Trophäe kassieren. Mit dem Stonemantrail ist für uns der Bann gebrochen. Mehrtagesrunden und Alpencross werden nun jährlich fix eingeplant 😉