Mehrtagestour – Unterwegs in den bleichen Bergen

Die Dolomiten auch genannt die bleichen Berge, üben eine ungemeine Faszination auf mich aus. Aus der vertikalen Perspektive kannte ich schon einiges. Seid unser ersten Ausfahrt auf dem Stonemantrail wollte ich nun das Gebirge auch auf zwei Rädern näher erkunden. In vier Etappen wollten wir schönstes Bergpanorama mit traumhaften Trails kombinieren. Nach langer Recherche und dank eines eifrigen Forenmitglied (Dede) einer einschlägigen Homepage hatten wir eine zumindest auf der Karte betrachtet sehr attraktiver Runde. Nun hieß es zu schauen, ob sich dies auch in der Realität als „Leckerbissen“ bewahrheitet.
Tag1
Kinder abgeben, schnell zusammen packen und schnurstracks mit dem Auto nach Brixen. Die Runde wurde unter Hilfenahme von Liften geplant. Nur so war es möglich, einen Teil der Dolomiten-Highlights so aneinander zu reihen dass sich daraus eine logische schöne 4 Tagestour ergibt. Mit dem Plose Lift vernichteten wir gleich zu beginn die ersten 950 HM. Oben angekommen fühlte man sich auf dem Themenweg Richtung Rossalm zu tiefst einsam. Dichter Nebel machte die Stimmung gleich zu Beginn mystisch und interessant. Bei schönem Wetter und späten Vormittags würde ich allerdings eher abraten. Da dürften sich dann eine Vielzahl an Touristen dort oben tummeln. Auf epischen Singletrails nie schwer (S1) geht es dann zur Halslhütte. Ein paar wenige Höhenmeter heißt es nun auf Asphalt bis zum Würzjoch zu fahren. Ab da geht es dann einige 100 HM auf Schotter zur Maurerberghütte wo dann wieder ein super Panoramatrail auf einen wartet. Leider vernichtet man dann einige Tiefenmeter nur auf Asphalt was aber an der Schönheit der ersten Etappe keinen Abbruch tat. Nach einer gemütlichen Rast in St. Vigil ging es dann durch das ewig lang gezogene Tal zur Pederü Hütte. Eigentlich wollten wir weiter auf die Lavarella Hütte aber nach unserem Telefonat stellten wir fest das sowohl die Lavarella- und die Fanesühütte voll ausgebucht waren. So gesehen hieß es nun sehr schnell sein um überhaupt noch einen Platz in der Pederü zu bekommen. Mit viel Charme schaffte es meine Frau dann doch noch das allerletzte Zimmer zu bekommen. 
1693 HM
58,99 km
Tag2
Am nächsten Tag ging es gleich zur Sache. Die Schotterstraße Richtung Fanes entpuppte sich als purer Kraftakt. Steil und grobschottrig hob es doch recht zügig meine Holde aus dem Sattel. Ab der Fanes hieß es dann sowieso schieben. Das Limojoch mit dem dazugehörigen See war wieder einmal eingebettet in Nebel und leichten Regen. Das Wetter zeigte sich von allen Seiten man musste nur Geduld haben. Nach ein paar kurzen Trailabstechern ging es dann durch eines der schönsten Dolomiten Täler entlang der Fanes. Im August ist dieser Teil sehr gut vom Fußvolk besucht. Mit ein bisschen Rücksicht ist der breite Fußweg aber kein wirkliches Problem. Die steile Abfahrt zum Gasthaus Capanna Alpina ist nur den besten Trailfüchsen vorbehalten. Steile hohe Stufen schieben die Singletrailskala anständig Richtung S4. Ein Versuch hätte mich schon sehr gereizt aber bei der Vielzahl an Fußgänger war das Risiko von Steinschlag viel zu groß. Ein Stück weiter unten wurde der Trail dann homöopathischer und ließ selbst die Holde wieder auf das Bike aufsteigen. Ab St. Kasian hieß es dann wieder Höhenmeter schrubben um dann wieder auf schönen Trails zum Campolongo Pass zu gelangen. Von Arabba ging es dann wieder mit Lift hoch hinaus um am Bindelweg die beeindruckende Berglandschaft der Marmolada zu bewundern. Mit stetigem Auf und Ab folgten wir den Bindelweg bis zur idyllischen Bindelweghütte.
GPS Daten (bis Arabba)

ca. 1550 Hm (mit Bindelweg)
40 KM


Tag3

Gut erholt ging es am nächsten Tag bei leichtem Regen einen Teil der Sella Ronda entlang. Die Trailabfahrt nach Plan de Schiavaneis folgt anfänglich den gebauten 4x Strecke. Die Anleger und kleineren Jumps machten richtig Freude. Ab den Kehren der Pordoi-Straße begann dann wieder ein Naturtrail. Der stärker werdende Regen machte diesen Abschnitt aber zur Schlammschlacht. Egal ob schiebend oder fahrend – wir rutschten dem Tal entgegen. Danach hieß es wieder Asphaltspulen auf das Sellajoch. Von dort ging es durch die Steinerne Stadt auf flowigen Trails und wieder einmal im Nebel zur Emilio Comici Hütte. Bei sommerlichen 8°C hieß es wieder: Flow! In Wolkenstein machten wir uns erstmals ein wenig hübsch. Der Dreck klebte überall und so hätten uns die Südtiroler bestimmt nicht in die Gondel gelassen. Unterhalb der Cirspitze (die ich bereits schon mal erklettert bin) folgte dann ein weiterer gebauter Singletrail Richtung Corvara. Die hohe Anzahl an Biker hat die Italiener dazu veranlasst einen eigenen Trail zu bauen um die Fußgänger ein wenig zu schützen. Der Trail strotzt so nur von Anlegern und Flow –  S0/1 von oben bis unten. Mit einem fetten Grinser im Gesicht stärkten wir uns in Corvara. Richtung Pescol sollte man aber unbedingt die „Trailvariante“ auslassen und lieber auf der normalen Straße fahren. Mitten im Gebüsch suchten wir uns zeitaufwändig einen halbwegs geh baren Weg. Unsere zugewachsene Variante führte  auf extrem steile Feldwege die nur schiebend bezwungen werden konnte. Ab Pescol geht es wieder schön auf Schotterwegen nach Longiarü genauer gesagt der Speckstube Tlisora die wir nur allen uneingeschränkt empfehlen können.

GPS Daten (bis Wolkenstein)

GPS Daten (ab Bergstation Grödner Joch)
1180 HM (ohne Lift) 

48,89 km

Tag 4

Ein traumhafter Tag! Die Sonne blinzelt ständig durch den Nebel. Auf Schotter geht es in beeindruckender Kulisse Richtung Medalges Alm von der aus man das Bike schultern muss. Ein paar Höhenmeter weiter oben beginnt ein traumhafter (aber leicht ausgesetzter) Trail unterhalb des Sobutsch. Ab dem Joch muss man das Bike dann wieder nach unten tragen. Die zt. mit Drahtseil abgesicherten Passagen sind dann doch zu ausgesetzt um einen Versuch zu starten. Der Rest bis zur Schlutterhütte glänzt durch die unglaubliche Landschaft. Nach unzähligen Trails kamen wir dann wieder am Würzjoch an. Der Rest bis zur Talstation des Plose Lifts ließ die ganze Runde noch gemütlich ausklingen.

1249 HM
38,02 km

Fazit: 

Mit Sicherheit die bis dato schönste Mehrtagesrunde durch die Dolomiten. Ein paar „Varianten“ zur Verlängerung hätten wir noch als Option gehabt. Waren aber insgesamt mit der Runde rundum Zufrieden!