Dolomitenrunde – 5 Tage Panorama!

Die Dolomiten haben es uns angetan! Wunderschöne flowige Trails und atemberaubendes Panorama – eine perfekte Kombination um fünf Tage Spaß zu haben. Nach unser letztjährigen Tour wollten wir dieses mal ein wenig weiter Richtung Süden. Der altbekannte „Dede“  hat uns bei der Planung wieder einmal kräftig unter die Arme gegriffen. Der Start- und Endpunkt sollte nähe Bozen sein, da wir unmittelbar nach unserem Trip direkt unsere Kinder aus dem Feriencamp am Caldonazzo See abholen mussten um danach die Fähre nach Elba zu erwischen. Außerdem wollten wir die Etappen recht überschaubar halten und dabei aber nicht auf Trails verzichten. Deshalb wollten wir hi und da auf die vorhandene Infrastruktur (Lifte) zurück greifen.

Tag1: 
Start war in dem wunderschön klingenden St. Valentino di Campo wo wir unser Auto auf einer Parkbucht ein klein wenig abseits des Ortskerns abstellten. Das wurde uns „fast“ zum Verhängnis. Dazu aber später mehr. Der gemütliche Start durch das Eggental nach Welschnofen und die anschließende Gondelfahrt zum Rosengarten ließ unsere, von der Anfahrt recht müden Glieder schnell wieder munter werden. Trails und Forstwege wechselten sich angenehm bis ins Fassatal ab um danach über den Radweg bis nach Canazei zu gelangen. Nach der nächsten Liftfahrt ging es von Pecol aus ein paar Kehren auf Asphalt Richtung Pordoijoch. Ab dem Hotel Pordoi hieß es kräftig in die Pedale treten den ab da geht es sacksteil Richtung Col de Rossi. Ein heranziehendes Gewitter und die ersten Regentropfen lasten uns vorerst einmal kalt, wussten wir ja dass unser erstes Tagesziel mit dem Rifugio Baita Fredarola nicht mehr all zu weit weg war. Unsere eigentlich geplante Unterkunft – die Bindelweg Hütte – war leider Gottes bereits ausgebucht. Optisch glich unsere Unterkunft eine in die Jahre gekommene Apres Ski Bude. Laute Musik krachte aus den alten Lautsprechern und die grell orange Farbe tat das ihrige dazu. Das schreckte uns zu Beginn schon ziemlich ab. Was soll es dachten wir uns – ein gemütlicher Abend lässt sich sicher auch dort verbringen. Und ja, wir wurden positiv überrascht! Die Küche dort oben ist in der Bikerszene (Motorrad wohlgemerkt) aufgrund des Inhabers ziemlich bekannt. Wer sich bereits im Vorfeld anmeldet bekommt Steaks die ich in dieser Größe und Qualität nur sehr selten zu Gesicht bekam. Leider wussten wir das im Vorfeld nicht und bestellten deshalb auch nichts vor. Ein paar „junggebliebene“ Motorrad Rocker waren nur wegen dem Kulinarischen auf die Hütte angereist – zu Recht! Am Abend feierten wir noch gemeinsam mit einem lautem „Highway to hell“ von AC DC in die Nacht hinein. Ein etwas anderer „Hüttenabend“ der sicher nicht nach jedermann Geschmack (eigentlich auch nicht meinen) ist aber eine witzige Abwechslung war.

GPS Daten
1329 HM
43 km

Tag2:
Die Nacht schüttete es aus Kübeln. Donner und Blitz ließ uns die Nacht immer wieder munter werden. Der Mordendliche Regen brachte uns ganz schön ins Grübeln. Der uns bekannten Bindelweg, den wir erstmals Richtung Osten anfuhren gestaltete sich im Nebel und Regen als kleines Abenteuer. Über 10 km schlängelt er sich mit einem steten auf und ab, vorbei an der Bergstation des Porto Vescovo bis zum Rifugio Padon bevor es über schöne Trails bis Caprile geht. Ab Porto Vescovo fing es an tief zu grollen und die ersten Blitze fuhren an uns vorbei. Aus den Singletrails wurden kleine Bäche und der ansonsten extrem flowige Trail wurde rutschig und anspruchsvoll. Völlig durchnässt und aus gefroren wärmten wir uns kurz im Rifugio Padon auf um das Gewitter dort aus zu sitzen. Nach Recherche im Internet und Rücksprache mit dem nicht allzu freundlichen Angestellten, war das Gewitter nur die Spitze des Eisbergs. Ein Wetterumschwung sollte uns noch die restlichen Tage begleiten. In Caprile versuchten wir uns verzweifelt im Dorfbrunnen zu säubern um nicht alle Leute ab zu schrecken. Ganz funktioniert hat das allerdings nicht, keine zehn Meter später sahen wir nämlich wieder gleich aus als vorher. Die Vernunft siegte und brachte uns dazu die Etappe abzubrechen und den darauffolgenden Tag auszulassen. Das Wetter sollte nämlich am nächsten Tag nochmals schlechter werden. Also mussten wir leider den Gringel von Alleghe auslassen. Stattdessen fuhren wir nach Falcade wo wir unsere total durchnässten Utensilien zu trocknen versuchten. Bei Pizza und Wein lauschten wir noch eine Weile dem Donnergrollen zu.

Original Variante:
GPS Daten
1350 HM (excl. Lift)
45 km


Tag3:
Eigentlich wollten wir an diesem Tag die Trails um Alleghe rocken, doch stattdessen sitzen wir noch um 11 Uhr Vormittag bei Kaffee und Cappuccino. Grund war einmal mehr der Regen. Nachmittag sagte der Wetterbericht eine vorsichtige Wetterbesserung voraus und diese wollten wir abwarten. Sollte es halt eine Halbtagestour werden… Der Regen ließ tatsächlich nach und so starteten wir vorerst mit dem Lift nach Le Buse. Wir wollten einen kleinen Teil der nächsten Tagesetappe bereits vorab fahren. Doch es kam anders! Beim runter bolzen auf dem Forstweg überkam es mich mehrmals, und sprang übermütig über diverse Regenrillen. Eine dieser Rillen versetzte meinem Lenker einen Schlag und das Navi flog im hohen Bogen ins Gebüsch. Ich bemerkte das erst einige Meter weiter unten. Die darauffolgenden 1 1/5 Stunden verbrachten wir tief gebückt bei der verzweifelten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich gab bereits nach einer Stunde auf konnten wir das Gebiet nicht wirklich eingrenzen. Doch Ursi war nicht zu stoppen und genervt von meiner Aufgabe schrie sie plötzlich auf. Unglaublich aber sie hatte das Navi tatsächlich in ihrer Hand. Parallel wurde der Regen auch wieder deutlich stärker und es kühlte weiterhin ab. Also nix wie runter ins Hotel und aufwärmen. Das gefundene Navi musste natürlich gefeiert werden.

Original Variante:GPS Daten 
ca. 1300 HM (excl. Lift)
52 km

Tag4:
Ab Falcade ging es parallel zur Passstraße einen immer steiler werdenden Forstweg entlang. Irgendwann muss man da dann einfach aus dem Sattel schon alleine weil der Vorderreifen das Wort „Schwerkraft“ nicht mehr kennt. Das Wetter klarte langsam auf, so dass wir das unglaubliche Panorama am Rifugio Flora Alpina so richtig genießen konnten. Ab dem Hotel folgt man wieder ein paar Höhenmeter aus Asphalt wo man dann gemütlich Richtung San Pellegrino Pass und Talstation der Col Margherita Bahn rollt. Der Versuch eine vernünftige Alternative zur Bahn zu finden verlief wenig erfolgreich. Bauarbeiten entlang der sommerlichen Skipisten und unfahrbar steile Wege lasten uns diesen Plan gleich verwerfen. Die Abfahrt durch das Skigebiet wurde immer wieder durch kurze Trailpassagen garniert. Highlight dieses Tages war mit Sicherheit die Fahrt durch das Val Venegia und die grandiose Aussicht auf die Pala-Gruppe. Nach einer kurzen Trailabfahrt erreichten wir unser Tagesziel. Capanna Cervino ist eine sehr gemütliche kleine Hütte die mit Gastfreundschaft zum verweilen einlädt. Als wir die letzten Sonnenstrahlen und beeindruckenden Sonnenuntergang bewunderten läutete plötzlich das Handy. „Ist alles in Ordnung mit euch, ist euch was passiert?“ sprach es ganz aufgeregt aus unserem Hörer. Unser besorgte Nachbar war an der anderen Leitung und erklärte weiter: „Die Polizei war bei uns, die suchen euch! Ihr geltet als vermisst!“ Verwundert und ein wenig verwirrt fertigten wir unseren Nachbarn ab und meldeten uns umgehend bei der Polizei in Österreich. Nach einem aufklärendem Gespräch wurde uns noch eine schöne Weiterfahrt gewünscht. Die italienischen Carabinieri entdeckten unsere herrenloses Auto und beobachteten dies eine zeit lang. Nachdem es tags darauf immer noch da stand wurde die Tiroler Polizei verständigt. Diese probierte es mehrmals telefonisch bei uns (wir hatten keinen Empfang) und gab danach eine Suchmeldung raus. Diese Anekdote begleitete uns noch lange in die Nacht hinein…

GPS Daten
1320 HM (excl. Lift)
29,97 km

Tag5:
Der letzte Tag startete mit einem „Höhenmetermassaker“! Insgesamt hieß es heute rund 2800 hm downhill. Die ersten 25 km flogen wir (immer wieder mit auf flowigen Trails garniert) Predazzo entgegen. Wir fuhren mit der Obereggenbahn zum Passo Feudo ab wo man dann sein Bike schieben muss. Die vielen Fußgänger und das Fahrverbotsschild hinderte uns an einem flotten voran kommen. Aber egal wir haben ja Zeit! Ein paar Höhenmeter weiter oben wurde bereits das Wandervolk weniger und ein vorsichtiges Fahren war möglich. Der technisch sehr einfache Trail und das stätige auf und ab ließ uns geschmeidig voran kommen. Ab der Talstation Oberholz zweigt der Trail rechts ab. Er wurde verwinkelter, technischer und erreichte in einigen Passagen  unteres S3. Außerdem wurde es um einiges Einsamer. Im letzten Steinfeld vor der Waldgrenze begegneten wir noch einen Wanderer der uns fasziniert aber auch irritiert nach der Sinnhaftigkeit von Mountainbikes in dieser Gegend gefragt hat. War aber ein netter Zeitgenosse. Die letzten Trail- und Forststraßenmeter zum Karersee gingen dann gewohnt flüssig. Der Karersee schillerte in seinen wunderschönen grün tönen und würde zum verweilen einladen. Aber die Menschenmassen die mit Bussen zu diesem See gebracht werden, veranlasste uns schnell die Flucht zu ergreifen. Vom Parkplatz des Karersee geht wieder ein kleiner Trail bergab. Der letzte unserer Tour und der musste natürlich gefeiert werden. Ab Welschnofen hieß es dann wieder Höhenmeter machen um zu unserem ominösen Parkplatz zu kommen. Bei jeder Kehre hofften wir inständig, dass unser Auto noch da steht. So war es dann zum Glück auch. Jetzt nur mehr noch die Kids abholen und ab nach Elba!

GPS Daten
1300 HM (excl. Lift)
51,06 km


Fazit:
Wunderschöne Rundtour! Vermutlich im Juni oder ab Anfang September noch besser zu machen da weniger Wanderer.