4 Tage Enduro Wahnsinn – 3572 hm uphill – 10 471 hm downhill

Die Anforderungen an unsere diesjährige Mehrtagestour war sonnenklar. So viel wie nur irgendwie möglich und sinnvoll, Trails bergab! Ursi’s neues Trek Remedy musste ja gebührend eingeweiht werden. Dieses mal wollten wir die vorhandene Infrastruktur nutzen und mit Lifte, Shuttles sowie selber treten eine logische Runde kreieren. Uns noch unbekannte Gebiete wie Nauders und Livigno standen deshalb hoch im Kurs. Ein wenig orientierte ich mich an der Komplizentour von Südtirolbike allerdings zu einer Rundtour optimiert.

Tag 1
1270 hm uphill (ohne Lifte)
2930 hm Downhill
51,43 km

Der heutige Tag hatte alles zu bieten, was das Bikerherz höherschlagen lässt. Super schöne Endurotrails in Nauders und Reschen mit Liftunterstützung. Moderate Anstiege zur Oberdörfer Alm mit langen Schiebepassagen zur Sesvenna Hütte. Harte Tragepassage zur Sesvenna Scharte mit darauffolgenden tricky Trail der irgendwann unfahrbar wird. Schieben und Tragen bergab bis das ein schöner Flowtrail einen im Bergdorf S’charl wieder ausspuckt. Gepaart wird dieses Intermezzo von wunderschöner Landschaft.

Bereits im Vorfeld, hatte ich so meine Zweifel. Geht sich das alles zeitlich aus? Die Bergkastel Seilbahn öffnet erst um 9 Uhr seine Pforten und von den 51km musste einiges geschoben und getragen werden. Doch wer nichts riskiert kann nichts gewinnen! Also nix wie hinein in das (Trage) Vergnügen. Die Trails (Almtrail, Bunkertrail usw.) nach Reschen ließen uns gleich zu Beginn übermütig von einem Absatz zum nächsten Springen. Einfach grandios und nicht zu Unrecht ein würdiger Platz für die Quali der EWS (Enduro World Series). Weiter ging es über die Piz Belpiano Bahn zur Schöneben Hütte und auf fast ausschließlich Naturtrails wieder zurück zur Talstation. Noch einmal ging es mit der Umlaufbahn den Berg hoch, das letzte mal für den heutigen Tag.

Einfach grandios und nicht zu Unrecht ein würdiger Platz für die Quali der EWS

Über eine kurze Trailpassage erreichten wir den Forstweg zur Oberdörfer Alm. Es wurde ruhiger und abgeschiedener. Ab der Alm mussten wir schieben, nicht nur wegen der Steilheit, sondern auch wegen einem für uns nachvollziehbaren Mountainbike Fahrverbots welches am Pass mit Schildern bekannt gemacht wurde. Auch wenn die Querung zur Sesvenna Hütte ohne Probleme fahrbar wäre, schoben wir brav die knapp 4 km unsere Räder. Der Weg ist sehr schmal und ein passieren der Fußgänger fahrbar nicht wirklich möglich.

Ab der Hütte wurde es Steil und ein Schultern unserer Bikes unumgänglich. Das ein oder andere Schneefeld bot bei der Hitze eine willkommene Abkühlung. Die 500 hm zogen sich ganz schön in die Länge, dafür durften wir ganz allein die hochalpine Landschaft am Joch genießen. Laut meiner Recherche folgt nun ein super Trail Richtung S’charl welcher zu Beginn bis zu S3 aufwartet und im Mittelteil eine sehr steile Sektion bis zu S4 für uns bereithält, danach sollte es leichter werden. Gut wir wussten, dass das eine Hausnummer zu hoch für Ursi war jedoch ich wollte versuchen so viel wie möglich zu fahren.

Die Wahrheit sah dann doch ein bisschen anders aus. Oben begann es super flowig, bis dann eine kurze mit Stahlseil versicherte sehr schwere Passage (S4/5) auf einen wartet. Bei geschickter Linienwahl kann man von rechts oben rein queren so dass diese Stelle hart, aber fahrbar wird. Als wir dann aber zur vermeintlichen S4 200 Tiefenmeter Steilstufe kamen und ich schon sehnsüchtig auf weitere technische Plänkeleien hoffte wurde ich sofort enttäuscht. Entweder hat sich das extrem steile Geröllfeld massiv verändert, oder meine Wahrnehmung der Schwierigkeiten war eingetrübt. Für mich absolut unfahrbar, da kaum ein Weg vorhanden war. Trifft dann wohl eher S5 wo ich selbst Zweifel habe dass Kaliber ala Fabio Wibmer hier einen Meter fahren.

oben für uns unfahrbar…

…wo ich selbst Zweifel habe, dass Kaliber ala Fabio Wibmer hier einen Meter fahren werden.

Nach der Steilstufe begann im stetigen auf und ab ein wieder fahrbar werdender Trail, der sehr anstrengend für uns war. Ich fahrend und Ursi schiebend. Die Landschaft entschädigt zum Glück einen für die Plackerei. Die letzten 300 hm gab es dann auch für Ursi die Belohnung mit einem super schönen Flowtrail. Und ja, wir brauchten aufgrund der vielen Schieberei die Zeit. Pünktlich zum Abendessen um 18:15 erreichten wir unsere Unterkunft im Gasthof Major.

Tag2
1661 HM up- und downhill
57,68 km

Was für eine Nacht! Wenn es hoch kommt nur rund 3h schlaf – den Rest davon verbrachte ich knieend vor der Kloschüssel. Bereits im Vorfeld war ich schon angeschlagen. Mit zu viel Essen am Vortag eine äußerst schlechte Kombination. Komplett dehydriert und übermüdet zwang ich mich in der Früh eine Handvoll Cornflakes runter zu würgen. Ich wusste das die paar Chips vermutlich das einzige sein werden, was mein Magen verträgt und behaltet. Ich haderte noch mit mir, ob ein Versuch weiter zu fahren überhaupt sinnvoll sein würde.

Sehr zittrig auf den Knien, machten wir uns dann aber doch auf den Weg.  Die Route wurde auf uns bekannte Wege spontan angepasst, da ich auf Experimente keine Lust hatte. Der heutige Tag glich fast unserer Transalp Ettape aus dem Jahre 2017, so gesehen wussten wir in etwa was uns erwartet.

Der erste Anstieg auf den Pass Constaines brachte mich schon gehörig ins Schwitzen, aber wir kamen voran. Am Pass waren wir dieses mal komplett alleine, anders als bei unserer Transalp als uns rund 40 Biker erwarteten. Richtig angenehm war es, abgesehen von meinem noch immer rebellierenden Bauchkrämpfen. Auf der Abfahrt nach Tschierf fanden wir noch ein paar nett zu fahrenden Trails bis uns der Aufstieg ins Val Mora das letzte Quäntchen Energie aus dem Körper saugte. Bei einer kurzen Pause schlief ich völlig übermüdet ein. Die uns bekannte (Trail) Abfahrt zum Passo di Val Mora zog sich ewig dahin. Normalerweise ein Hochgenuss, doch diese mal alles andere als das. Zu allem Überfluss meldet sich noch das rechte Knie mit stechenden Schmerzen. Etwas für mich völlig Unübliches. Ursi musste meinen komplett schweigsamen inneren Kampf ertragen – auch keine einfache Sache!

irgendwie war mir nicht zum Foto machen zumute

Ursi musste meinen komplett schweigsamen inneren Kampf ertragen – auch keine feine Sache!

Als wir dann die uns bekannten Pfade verließen, um über den Passo di Alpisella nach Livigno zu fahren, rebellierte mein Knie total. Außer Schieben ging gar nix mehr, selbst auf geraden Passagen. Irgendwie schaffte ich es humpelnd über den Pass zu kommen und die Abfahrt hinter sich zu bringen. Komplett zittrig flößte ich mir am Lago di Livigno eine Cola in die Gurgel, um wieder langsam zu Kräften zu kommen. Nach wahrscheinlich einer meiner härtesten Mtb-Tage schafften wir es dann endlich in die bezaubernde Unterkunft in Livigno einzuchecken.

Am Abend gab es dann eine kleine Schüssel Minestrone für den Magen und viel Eis für das Knie. Die Angst, in Livigno sitzen zu müssen und aufgrund eines kaputten Knies nichts fahren zu können war riesengroß. Aperol und Schlaf sollte sich aber positiv auswirken.

Tag 3
321 hm uphill
3805 hm downhill
56,49 km

Meine Gebete wurden erhört! Mein Knie fühlte sich schon deutlich besser an. Zwar weit weg von „normal“ und beim Treppensteigen oder harten Treten noch mit stechendem Schmerz, aber irgendwie schöpfte ich Hoffnung den ein oder anderen Trail im Disneyland für Mountainbiker fahren zu können.

Alpine Einsamkeit ist hier Fehlanzeige – egal wohin man sieht, Trails und Lifte. Doch irgendwie wollten wir diesem sagenumwobenen Platz unbedingt einmal einen Besuch abstatten. In weißer Voraussicht und Vorsicht planten wir die restliche Etappe über den Passo Trela nach Bormio kurzerhand um. Auf den Passo Foscagno waren es nur rund 300 hm was meinem Knie deutlich zuträglicher sein sollte. Somit hatten wir einen ganzen Vormittag, um sich die Trails in Livigno näher anzusehen. Die absolut fairen € 24,- für eine Halbtageskarte im Mottoline Bikepark, investierten wir sehr gerne. Sensationelle flowig zu fahrenden Trails (welche mit nötiger Zurückhaltung, zwecks Knie) einem einen Dauer-Grinser ins Gesicht brannte, ließ uns euphorisch einen nach den anderen abhacken. Später stoßen noch ehemalige Kletterfreunde zu uns, die ebenfalls einen Bikeurlaub in Livigno verbrachten. Wir kommen bestimmt wieder! Das nächste Mal allerdings mit Vollvisier und gesundem Knie.

Nach gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns und starteten unsere Weiterfahrt nach Bormio. Unheimlich dankbar über den kurzen Anstieg stürzten wir uns, ab dem Hotel Angelina in den nächsten Trail. Überrascht über den fordernden verblockten aber schönen Trail, bei welchem Ursi sensationell alle Stellen erfolgreich meisterte, erreichten wir San Carlo. Ab da ging es auf Asphaltstraße über 6 km nach Bormio.

Tag4
325 hm uphill
2075 hm downhill
32,01 km

Nach einer erholsamen Nacht wurden wir bereits um 7:20 von unserem freundlichen Bike Shuttle (Auffahrt Stilfserjoch € 35,-/Person) abgeholt und auf das Stilfserjoch gebracht. Bei traumhaftem Wetter schoben wir unsere Räder auf die Dreisprachenspitze und stürzten uns sogleich in den Goldseetrail. Ein Panoramaweg den man nur vor 9:00 morgens mit dem Bike fahren darf. Die Morgenstimmung, der Blick auf den Ortler und der schöne Trail brachten uns in Verzückung. Einfach gigantisch und nur zu empfehlen. Auf Höhe des Goldsee wechselten wir auf den BimBam Trail welcher technisch schwerer aber ebenso beeindruckend sich Richtung Trafoi schlängelte. Immer wieder hielten wir für Fotopausen an. Diese Zeit muss man sich einfach nehmen, bei dieser Landschaft!

Ursprünglich wollten wir mit dem Lift wieder auf die Furkelhütte aufsteigen. Da wir aber das Knie schonen wollten und beschlossen unsere Tochter am nächsten Tag vom Reitercamp nähe Augsburg abzuholen, verkürzten wir ein weiteres Mal unsere Etappe.

Wir rollten also gemütlich nach Prad und weiter auf dem Radweg nach Mals. In Mals nahmen wir den öffentlichen Bus, welcher ohne Probleme Mountainbikes mitnimmt, wieder zurück nach Nauders.

Fazit:

Abgesehen von meinem körperlichen Verfall, war es eine sehr abwechslungsreiche, wunderschöne, trailreiche Tour. Tag 1 und 2 kommen klassischen Transalp Etappen sehr nahe. Wobei Tag 1 über die Sesvenna Scharte nur was für hartgesottene Biker etwas ist. Tag 3 und 4 fuhren wir leider nicht auf der geplanten Strecke, welche vielleicht noch alpiner gewesen wäre. Nichts desto trotz fanden wir auf den Ausweichstrecken super Ersatztrails.