Trail Transalp Tirol

Endlich war es soweit: die Trail Transalp Tirol stand auf dem Programm. Nach dem heurigen grandiosen Bike Sommer wollten wir endlich unseren Jungspund Martin die große weite Welt der Alpenüberquerungen zeigen. In der Planungsphase wurde aber gleich klar, dass eine „normale“ Transalp nichts für unseren Rookie war. Nach meiner Albrecht Mainstream-Cross suchte auch ich wieder nach ein wenig mehr Einsamkeit. Manni war wie immer alles egal – Hauptsache wild und viele Trails.

Mit der Trail Transalp Tirol von „Mr. Jihhaaa“ Appi glaubten wir unser Glück gefunden zu haben. Eigenständige Varianten wollten wir außen vor lassen und lieber spontan in Angriff nehmen.

Eine Hochzeit, kranke Kinder, (viel) Schnee, zeitliche Verschiebungen und ein mit sich geschleppter Infekt brachten gleich zu Beginn die ganze Aktion ins Wanken. Trotzdem wollten wir uns durch nichts und niemanden aufhalten lassen. Trotz aller Widrigkeiten – aber liest selbst:

Tag 1
1600hm

42km
Seefeld – Kemater Hütte

„Einrollen“ war in der Tourenbeschreibung zu lesen, also genau richtig um die 7h Reise mit anschließender Völlerei (Hochzeit) halbwegs verdauen zu können. 7:15 war der geplante Start. Völlig erledigt sprang ich erst um kurz vor 7 Uhr hysterisch aus dem Bett. Schnell noch ein Frühstück runter drücken um den Blutzuckerspiegel wieder halbwegs auf „fahrt“  zu bekommen. Soweit kam ich aber gar nicht, als mich die verzweifelten Hilferufe von Martin erreichten: „das Bike ist hin!“. So ganz begriff ich seine Aussage nicht – was soll den da so schnell kaputt gehen? Das Bike stand doch zur Überprüfung der Federgabel beim Händler. Irgendwie dürfte dort aber „etwas“ die Schaltung verbogen haben, so das ein Schalten bei der ersten Probefahrt unmöglich war. Am Vortag unserer geplanten Tour wurde das Rad erst abgeholt.

Martin wäre nicht Martin würde er nicht mit seinen Mechaniker-Skills versuchen das Bike selbst zu reparieren. Eine Idee die leider nach hinten los ging. Der Käfig der verbogenen Schaltung beherbergt genau eine Schraube die mit einer vorgespannten Feder niemals gelöst werden sollte. Hobby Mechaniker Martin konnte aber der Anziehungskraft dieser Schraube nicht widerstehen. Mit einem leisen „Dooong“ zischte die Feder in hohem Bogen an seinem Kopf vorbei und widerstand aller Versuche wieder an Ort und Stelle verbaut zu werden. Da halfen auch keine noch so verzweifelten weiblichen Streicheleinheiten der mittlerweile hinzugekommenen Sophie. Die unzähligen Versuche dauerten bis spät in die Nacht…ohne Erfolg.

Früh morgens erreichte uns also die Hiobsbotschaft, der wir allerdings ganz pragmatisch konterten. Das kaputte Bike wurde eingepackt und mit dem Zug nach Innsbruck gefahren. Dort erwartete uns schon Manni der voller Tatendrang fast schon in den nächsten Zug nach Seefeld eingestiegen wäre. Nun hieß die erste große Herausforderung der Trail Transalp Tirol, einen Händler zu finden der ein passendes Schaltwerk lagernd hat und sich Zeit nimmt diese schnellst möglich zu montieren. Bei einigen Händlern gingen wir leer aus. Unser Glück fanden wir aber bei „Die Börse“ die uns unkompliziert, kompetent und schnell wieder zu einem funktionierenden Bike verhalfen.

Verspätet aber doch begann dann die eigentliche Trail Transalp Tirol in Seefeld. Über den nett zu fahrenden Schlossbergtrail ging es bei schönstem Wetter nach Zirl. Die ein oder andere enge Spitzkehre brachte uns gleich zu beginn in Verzückung. So kann (soll) es weitergehen. Wir wählten die längere Variante und fuhren am Radweg nach Hatting von wo es über eine steile Rampe und über einfache nette Trails nach Grinzens ging. 700hm später erreichten wir erstaunlich müde unser Etappenziel die Kemater Alm.

Tag2
2000hm
29km
Kemater Alm – Seejöchl – Starkenburger Hütte – Neustift – Pinnisalm – Innsbrucker Hütte – Gschnitz

Nach einer harten kurzen Nacht in einem Dreier Zimmer, sah es früh morgens alles andere als gut aus. Martin hat ein paar meiner Bazillen abbekommen und kämpfte die ganze Nacht mit Bauchkrämpfe. Mir ging es zwar besser, allerdings hatte ich ebenfalls mehrmals das Gefühl mich übergeben zu müssen. Nun waren wir also zu zweit. Die nächtliche Wälz-Odyssee wurde begleitet durch immer wiederkehrende Schnarchorgasmen unseres dritten Teammitglieds. Die Pechsträhne ging also weiter…

Das üppige Frühstück belebte allerdings wieder unsere Lebensgeister und ließ uns ein wenig optimistischer werden. Zumindest beschlossen wir es zu versuchen und gegebenenfalls umzudrehen. Das Wetter tat das seine dazu. Schnee und Regen wohin man auch sah. Von der Kemater Hütte fuhren bzw. schoben wir zur Adolf Pichler Hütte. Entlang der Kalkkögl ging es im Schnee auf das Seejöchl. Aufgrund des vielen Schnees war an eine Abfahrt nicht zu denken. Also schoben wir unsere Bikes auch wieder runter. Kurz vor der Starkenburger Hütte sattelten wir unsere Böcke und radierten vorbei an drei nicht wirklich gesprächigen Alpencrossern über einen fordernden, nassen Trail (S2 mit einigen S3 Stellen) Richtung Neustift.

Gesundheitlich ging es Gott sei Dank besser, so das eine Weiterfahrt möglich war. In Neustift dankten wir unseren Kohlenhydrat-Speicher noch einmal kräftig auf um danach auf den Elfer rauf zu gondeln. Der (verbotene) Trail Richtung Pinnisalm war aufgrund des schlechten Wetters vom Fußvolk nicht stark frequentiert. Ansonsten dürfte diese Variante nicht sehr empfehlenswert sein. Wir verhielten uns natürlich vorbildlich, so das die wenigen Wanderer natürlich immer Vorrang genossen. Wir bekamen ausschließlich positives Feedback und viele staunende Blicke. Von der Pinnisalm ging es in grandioser Landschaft auf bestens ausgebauten Weg schiebend Richtung Innsbrucker Hütte. Eigentlich wollten wir dort unsere Nacht verbringen. Eigentlich, denn die Vorstellung auf eine schlechte Nacht im Lager lies uns umdisponieren. Zeitlich sollte es ebenfalls kein Problem geben. Der freundliche Hüttenwirt stornierte umgehend unsere Reservierung und war auch keinesfalls verwundert über unser erscheinen. Als wir dann in den Trail gestartet sind, blieben wir keine 100 Meter weiter im Schnee stecken. Ein Schild mit der Aufschrift „Weg wegen Unwetterschäden gesperrt“ versperrte uns die Weiterfahrt. Über die Alternative wussten wir so gut wie nix, aber Abenteuer wollten wir ja. Ein Pfiff und der Zuruf vom Hüttenwirt bewahrte uns vor dem Ungewissen. Er meinte das wir beim gesperrten Weg schon irgendwie runter kommen. So war es dann auch. Der Anfangs sehr ausgesetzte (mit einiges an Schnee) Trail entpuppte sich als wahrer Leckerbissen. Gut zu fahren aber immer fordernd (bis S3) ging es nach Gschnitz. Das absolute Trail Highlight! In Gschnitz fanden wir dann zum Glück noch eine Unterkunft mit getrennten Zimmern. Das zweite Highlight an diesem Tag!

Tag3
1400 Hm
20km
Gschnitz – Tiroler Tribulaunhaus – Pflerscher Scharte – Südtiroler Tribulaunhaus – Innerpflersch

Die Fakten lasen sich überschaubar. Kaum Höhenmeter und kaum Kilometer. Eines hatte uns die Trail Transalp Tirol allerdings gelehrt. Entscheidend ist die Topographie und Fahrbarkeit rauf und runter und nicht die Zahl der zu fahrenden Höhenmeter. 1000 Höhenmeter tragen in unwegsamen Gelände mit eben  so viel schwererm Downhill bringen einen auch an die körperlichen Grenzen.

Bis zum Tribulaunhaus konnte man mehr oder weniger fahren. Sehr steil und ziemlich kräfte raubend aber zumindest saß man im Sattel. Danach hieß es ganz klar tragen. Immer in beeindruckender Landschaft ging es über Schotterhalden steil Richtung Pflerscher Scharte. Der Trail  in das benachbarte Südtirol war für uns aufgrund des vielen Schnee unfahrbar – also wieder schieben –  wenn auch nur kurz. Oberhalb der Südtiroler Tribulaunhütte gestaltete sich der Weg als gut fahrbar und recht flowig. Ab der Hütte wurde es eine wilde Rumpelpartie. Kindskopf große Steine garnierte das eh schon lose Geröll. Man musste pro aktiv fahren um nicht an einen der Steine hängen zu bleiben. Irgendwie schien mir die Landschaft aber so gut zu gefallen, das ich doch glatt einen Moment meiner Konzentration abwesend war. Sekundenbruchteile später sah ich mich schon ganz langsam mit dem Gesicht Richtung Fels-Ambos fliegen. Im letzten Moment gelang es mir noch den Kopf ein klein wenig seitlich zu drehen.

Wie ein Käfer auf dem Rücken blieb ich vorerst einmal liegen und checkte mich intern Körperteil für Körperteil geistig ab. Gebrochen war nix, aber irgendwie hatte ich das Gefühl im vollen Sprint gegen eine Betonmauer gerannt zu sein. Zerbrochenes Visier und einige blaue Flecken waren zum Glück die einzigen Überbleibsel des Unfalls. Hätte auch schlimmer ausgehen können, denn ein paar Zentimeter weiter links wäre es dann doch erheblich die die Tiefe gegangen.

der weitere Trail wurde mit angezogener Handbremse gefahren. Wenn auch nicht bei Martin. Dem gefällt (mir nicht verständlich) diese Art des Trails am Besten. Einige Zeit später erreichten wir unser Tagesziel Pflersch.

Tag 4
1300Hm
50km
Pflersch – Maurerscharte – Ridnaun – Sterzing

Nach einer sehr guten Nacht im Aktivhotel Panorma mit nachmittäglichen Schlemmer und Sauna Programm ging es nun über Asphalt 300 hm bis zur Aurißalm. Lang währte das Vergnügen aber nicht denn danach hieß es 1000hm schieben (oder tragen). Wir kamen gut voran. Verglichen mit den letzten Tagen außergewöhnlich gut! Die Schrammen und Macken meines nicht gewollten Bodenkontakts machten (dank des Wellness Programms am Vorabend) auch keine Probleme.

Auf der Maurerscharte angekommen frischte es erheblich auf, so dass wir schnellstmöglich den Weg nach unten antraten. Dieser dürfte laut den Beschreibungen zu einen der Besten gehören. Oben doch sehr technisch mit einigen sehr schweren Passagen mit Absturz Potenzial wurde es ab der Alm wieder ein wenig leicht. Leicht im Sinne von S3! Meine viel zu weich eingestellte Federgabel, knickte doch glatt noch einmal ein und katapultierte mich über den Lenker. Natürlich landete ich auf den selben blauen Flecken wie Tags zu vor.

Kurz darauf ein Abgang von Martin, der den Abstieg aber wesentlich eleganter löste als ich. Nicht er wurde vom Bike katapultiert er machte es umgekehrt. Nach einem schönen Salto landete sein Jeffsy in den Bäumen. Man merkte einfach die schwindende Konzentration, die doch aufgrund der angeschlagenen körperlichen Verfassung das seine dazu tat.

In Ridnaun angekommen stärkten und beratschlagten wir uns gemütlich in der Pizzeria. Für Martin war die Trail Transalp Tirol offiziell zu Ende da er am nächsten Tag wieder arbeiten musste. Manni und ich beratschlagten uns noch und durchforsteten eine Wetter APP nach der anderen. Wie wir das Blatt auch wanden, für den übernächste Tag war Regen vorprogrammiert. Die 2000 hm Abfahrt vom Spronserjoch bei Nässe war nicht arg verlockend. Die Schneebergscharte mit seinen Trails kannten wir bereits von einer vorherigen Transalp. Es dauerte gar nicht so lange, dass wir entschlossen es Martin gleich zu tun und den Komfort eines gemütlichen Shuttle (Sophie) gerne in Anspruch zu nehmen. Die Fahrt nach Sterzing glich einem gemütlichen Ausrollen und verhalf der Trail Transalp Tirol auch so noch zu einem schönen Ende kommen.

Fazit:

Wer die nötigen konditionellen und fahrtechnischen Voraussetzungen erfüllt und es nicht scheut stundenlang das Mountainbike zu schieben/tragen wird mit der Trail Transalp Tirol ein grandioses Erlebnis haben. Für jemanden der Spitzkehren Technik nicht beherrscht oder mit ausgesetzten Wegen und alpine Gefahren nicht umgehen kann, ist diese Tour nicht anzuraten.