Alpentrailer Transalp Extrem

traumhaftes Panorama (im Hintergrund die Königsspitze), welches sich aber hart erkämpft werden musste

Alpentrailer Transalp Extrem

Endlich wieder eine Transalp! Rucksack packen und ab ins Abenteuer. Doch wer uns kennt weiß, dass wir mit einer „Normalen“ nicht zufrieden sind. Wir wollten die höchsten, halbwegs sinnvollen Übergänge in den Ostalpen zu einer Transalp verbinden. Am PC war sie fertig, die Alpentrailer Transalp. Doch wird das Wetter mitspielen? Ist alles so fahrbar? Schaffen wir es auch konditionell? Viele Fragen die man nicht beantworten konnte. Genau das ist der Reiz einer Mehrtagestour – sich auf das Ungewisse einlassen.

Die Auffahrt zur Martin Busch Hütte war uns bereits bekannt. Wir wollten es deshalb langsam angehen.

Tag 1

1893 HM
42,89 km

Tagwache 4 Uhr morgens. Nach einer halben Stunde Autofahrt erreichte ich meinen Companion Manni. Seine Frau Sabi shuttelte uns nach Sölden – Startpunkt unserer Transalp. Am Liftparkplatz verabschiedeten wir uns von ihr und machten uns auf den Weg Richtung Zwieselstein. Endlich unterwegs. Ein Hauch von Ungewissheit und Abenteuer. Es geht wieder los! Über einen netten Trail erreichten wir recht zügig Zwieselstein und dann später das Bergsteigerdorf Vent. Dort genehmigten wir uns noch ein kräftiges Frühstück. Wir lagen sehr gut in der Zeit und wir kannten auch die darauffolgende Strecke zur Martin Busch Hütte. Wussten deshalb auch, dass wir die steilen Höhenmeter langsam angehen müssen. Wir brauchen noch genug Körner für die nächsten Tage.

Aber auch diese Auffahrt gelang uns schneller als erwartet. Langsam begann sich das Wetter zu drehen. Aus den immer dichter werdenden Wolken begann es zu graupeln und schneien. Dies tat unser unbändigen Motivation aber keinen Abbruch. Mittags erreichten wir das Niederjoch und die auf 3019 Meter liegende Similaunhütte. Nach einer kräftigen Nudelsuppe freuten wir uns bereits auf den Trail. Obgleich dieser bei Regen und Schnee schon ein wenig schwieriger sein dürfte.

Die Wolken drückten und es begann zu graupeln

Wie uns Bergsteiger mitteilten, waren wir an diesem Tag nicht die einzigen Mountainbiker die sich auf den Trail wagten. Vermutlich aber die einzigen Transalpler.

Ausgesetzt, nass und steil. Der Trail zeigte sich von seiner bissigen Seite. Gut S3/S4 schlängelte er sich Richtung Tal. Aufgrund der Bedingungen mussten wir uns der ein oder anderen Stelle geschlagen geben. Was aber dem Spaß keinen Abbruch tat. Ein wenig durchfroren erreichten wir den Vernagt-Stausee. Kurz später rollten wir zum Endpunkt der Ersten Etappe in den wohlklingenden Ort „Unserer Frau – Madonna“.

Da Manni beruflich ein wenig unter Druck stand, entschloss er sich dazu, sein MacBook auf diese Transalp mitzunehmen. Zusatzgewicht hin oder her. Als Belohnung konnten wir uns den Downhill Weltcup auf eben diesen ansehen. Das einzige mal, dass er auch wirklich benützt wurde. Später wurde er des Öfteren von Manni noch verflucht….

Tag 2

2006 HM
46,52 km

Die Unbekannte! Bei meiner Recherche fand man nur sehr wenig über das Mastaunjoch. Ein recht unbekannter 2915 Meter hoher Übergang um ins Vinschgau zu kommen. Gut erholt starteten wir sagenhafte 200hm fahrend bis zu einem Bauernhof. Ab da wurde in zäher Arbeit, das Bike Richtung Übergang gewuchtet. Schiebend oder Tragend. 1300 Hm am Stück. Teilweise sehr steil, vorbei an wunderschönen Bächen von einem Hochplateau zum anderen. Die harte Arbeit wurde zumindest visuell belohnt.

Ein absoluter Traum – diese Landschaft

Sinnhaft oder nicht? Diese Frage stellen wir uns eigentlich nie. Solange wir in den Bergen sein können, ist es immer sinnvoll!

Um die Mittagszeit erreichten wir das knapp unter 3000 Meter hohe Mastaunjoch. Nur eine einzige verwunderte Wanderin haben wir auf diesem einsamen Übergang getroffen. Am windigen Joch sind wir nicht lange geblieben. Den vermeintliche Trail suchten wir vergebens. Schutthalden ließen Steige nur erahnen. Wir stolperten die oberen 400 hm mehr recht als schlecht nach unten. Zwischen kurzen fahrbaren Passagen folgten unfahrbare Abschnitte. Eine weiträumige Vermurung tat den Rest. So musste also wieder getragen und geschoben werden.

Zum Glück wurde es zunehmend besser. Ein fahrbarer teilweise sogar recht einfacher Trail kam zum Vorschein. Nach ein paar netten Spitzkehren, erreichten wir den Talgrund. Nach ein paar kleineren Verhauern, zeigte sich in der Planung ein angeblich fahrbarer Trail vom Sonnenberg bis nach Schlanders. Der nächste Griff ins Klo. Es hieß nämlich, mühsam wieder Höhenmeter zu machen um zum Einstieg des Trails zu gelangen. Gesagt getan, wurde der Schnäuztuch breite, sehr abschüssige Trail zur Nervenprobe. Dehydriert, hungrig und langsam auch müde, kämpften wir uns nach Schlanders von wo aus noch weitere 17 km nach Prad gefahren werden musste. Bei einer rettenden Tankstelle zapften wir frisch gekühltes Cola. Erste Hilfe auf der Transalp. Kurz später checkten wir in unserer Unterkunft ein. Zum Glück wartete am nächsten Tag eine kürzere Etappe auf uns.

Tag 3

1654 hm (exkl. Lift)
34,76 km

Die „Entspannte“! Diese Etappe kannten wir bereits. Das Madritschjoch und der Trail Richtung Zufallhütte zählt nach wie vor zu den absoluten Highlights aller meiner bereits gefahrenen Transalps. Grund genug also, um den Schlenker ein weiteres mal in Kauf zu nehmen. Auch wenn unser Ehrgeiz, die Transalp ohne Lift, sich dieses mal in Grenzen hielt. Der extrem lange und steile Aufschwung zu Bergstation, hatten wir bereits einmal schon schiebend hinter uns gebracht. Wir schworen uns, dies nicht noch einmal zu tun.

grandiose Landschaft rund um den Ortler

Der wenig attraktive Asphaltweg Richtung Sulden zog sich dann doch mehr als wir das in Erinnerung hatten. Recht früh am Tag erreichten wir trotzdem die Talstation des Lifts. Wenig später schaukelten wir gemütlich den Berg hoch. Unser Zeit-Management verriet uns, dass wir bei diesem Tempo viel zu früh unser Nachtlager erreichen würden. Deshalb genehmigten wir uns noch ein kräftiges Mittagessen auf der Hütte. Die paar 100 Höhenmeter Richtung Joch gingen mit vollem Bauch gewohnt gemächlich. Immer im entspannten Tempo.

Nach einer gemütlichen Rast starteten wir, unter den Blicken der Wanderer und anderer Mountainbiker, in den steilen Einstieg des Trails. Noch immer zählt dieses Gustostückerl zu meinen absoluten Lieblingstrails. Unglaublich schnell (bereits am frühen Nachmittag) erreichten wir die Zufallhütte – unser Etappenziel. Die darauffolgenden Stunden verbrachten wir damit, unseren Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Immer wieder sahen wir Biker, die ihre Räder vom 3123 Meter hohen Madritschjoch runter schoben.

Im Gespräch über die Fahrbarkeit des Trails mit ihnen, schüttelten sie ungläubig den Kopf. Ebenso über unsere geplante nächste Etappe über den Gletscher.

Der Traumtrail Richtung Zufallhütte. Mit schweren Mehrtagsgepäck (inkl Macbook) wird auch dieser zur Herausforderung

Tag 4

2035 hm
49,22 km

Die Königsetappe hatte es in sich! Bei perfekten Bedingungen aber auch ein Genuß

Heute stand uns die Königsetappe bevor. Ein wenig angespannt waren wir schon. Auch wenn wir wussten, dass bereits schon einige vor uns diesen Übergang mit Bike gemacht haben, machten sich immer wieder Zweifel breit. Wie wird das Wetter? Wie sind die Bedingungen über den Gletscher? Brauchen wir Grödel/Steigeisen?

Am 7.9.2021 war es dann soweit. Nach einer eher unruhigen Nacht im Lager, machten wir uns bereits früh morgens auf den Weg. Wir wussten, dass wir bereits ab der Hütte unsere Bikes Schultern müssen und das es vermutlich ein längerer Tag werden wird.

Das er dann so lange wird, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

besser hätten wir es nicht erwischen können. Keine Menschenseele und perfektes Wetter

Wir überholten einige Wanderer und kamen unheimlich schnell und gut voran. Immer mit Blick auf den Langferner und den Cevedale. Der wolkenlose Tag und die perfekten Bedingungen (Jahre zuvor gab es im September immer Schneefall) ließ uns voller Tatendrang Richtung Casattihütte marschieren. Die schweren Bikes (oder war es doch nur Mannis Macbook?) drückten sich in unsere Schultern. Der Gletscher ließ sich ohne Steigeisen für uns problemlos überqueren. Auf der Casattihütte wollten wir uns eigentlich, mit Blick auf den Cevedale stärken. Doch es war weit und breit kein Hüttenwirt in Sicht. Nach einer kurzen Fotopause beschlossen wir, den Trail zur Pizzinihütte in Angriff zu nehmen. Mit der Königsspitze im Hintergrund, schlängelte sich der steile Trail mit unzähligen Spitzkehren Richtung Tal. Oben mit einigen S3/S4 Stellen, folgte eine kurze unfahrbare stahlseilversicherte Stelle, bis der Trail zu einem Karrenweg wurde. Die Mittagspause verbrachten wir auf der typisch italienischen Hütte.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt sehr froh, dass wir so unglaublich schnell und unkompliziert über den Gletscher gekommen sind. Der weitere Weg zum Gavia-Pass versprach einen einfach zu fahrenden Trail. Ein Trugschluss der uns dann mit der ernüchternden Realität konfrontierte.

Der auf den Karten mit S1 angegebene uphill Trail war extrem verwachsen und steil. So dass wir unsere Bikes nicht mehr vernünftig tragen konnten. Durstig und hungrig kämpften wir uns zum höchsten Punkt, um dort festzustellen, dass der weitere Trail Richtung Pass alles andere als fahrbar war. Nur ganz kurze Passagen konnten wir im Sattel verbringen. Der Rest musste wieder geschoben und getragen werden. Mindf**k par excellence! Manni der alte Realist hatte mit mir, den blauäugigen Optimisten, kein leichtes Spiel. Immer wieder rechnete ich vor, das es eh nur mehr noch 5km sein würden. Nach 10 km im stetigen auf und ab erreichten wir dann die auf der anderen Talseite gelegene Fahrstraße.

eine der wenigen fahrbaren Passagen Richtung Gaviapass

Im rettenden Rifugio Berni versuchten wir ein klein wenig unsere bereits verbrannten 3800 Kcal aufzufüllen. Wirklich gelungen ist uns das nicht, denn der Trail vom Gaviapass runter, bot auch nochmals Action und Anstrengung. Die Unterkunft erreichten wir nach geschlagenen 11 Stunden. Hungrig suchten wir nach einer nahgelegenen Pizzeria. Alles geschlossen hieß es von der Vermieterin.

Nur weiter unten im Tal würde es noch eine Pizzeria geben. Keine Chance – wir waren durch! Keine Motivation jetzt nochmals mit den Bikes uns auf die Suche zu machen.

Nach langem hin und her (wegen der sprachlichen Barriere – nix englisch nur italienisch) gelang es uns spät abends zwei Pizzen und Colas uns liefern zu lassen. In dem Moment, die beste Pizza der Welt! In Wahrheit wars nur die Zweitbeste ;). Hundemüde vielen wir in die Betten und versuchten uns für den nächsten Tag wieder zu regenerieren.

Tag 5

1495 hm
52,01 km

Der Ausblich auf den schönen Stausee – langsam aber doch kommen wir unserem Ziel dem Gardasee näher

Der fünfte Tag auf dem Bike. Langsam aber doch gewöhnt man sich daran. Auch wenn die vergangenen Tage noch in den Knochen stecken. Die Montozzoscharte ist ein Transalp Klassiker und wurde bereits von Ursi und mir mit der Albrechtroute gefahren. Für Manni war sie noch Neuland. Den in der Karte eingezeichnete Supermarcato fanden wir nicht. So beschlossen wir, ohne Jause los zu starten. Nicht unbedingt die idealen Voraussetzungen.

Zum Hochplateau Caso de Viso ging es soweit ganz gut vonstatten – auch wenn ich mit meiner Planung manchmal haderte. Den steilen Weiterweg zur Montozzoscharte bin ich bereits einmal gefahren. Dieses mal waren meine Ambitionen kleiner, so das ich schiebend auf der Rifugio Bozzi ankam. Nach einer Stärkung nahmen wir uns die letzten steilen Meter zur Scharte vor. Ab da geht es dann in einem einfach zu fahrenden Trail (mittlerweile extra für Mtb hergerichtet) zum Lago Pian di Palu von wo aus es in die nächste größere Ortschaft Cogolo ging.

Die letzten 20 km ging es über den Radweg unspektakulär aber noch immer anstrengend Richtung Dimaro. Dort schlugen wir bereits um 15 Uhr auf.

Tag 6

1915 hm
91,03 km

Grande Finale! Ein langer Tag stand uns bevor. Viele Kilometer und fast keine Trailmeter mehr. Trotzdem landschaftlich wunderschön und der Klassiker einer jeden Transalp.

Rein in die Brenta und mit Schwung zum Gardasee

Von Dimaro ging es über eine steile lange Schotterstrasse rund 1000 hm nach Madonna di Campiglio. Dort gab es das zweite Frühstück um für Teil 2 gerüstet zu sein. Nach der Tragepassage zum Bärenpass vernichtet man über viele Kilometer Höhenmeter um Höhenmeter. Nach erreichen von Stenico bogen wir in das Sarchetal ab. Nach rund 8h Fahrzeit erreichten wir unseren Zielort Arco. Nach einigen Aperol/Bier/Wein gepaart mit Spaghetti und Pizza genossen wir noch die Dolce Vita und die erfolgreiche Überquerung der Alpen.

Epilog

326 hm
24,42 km

Nach einem netten erholsamen Abend mussten wir noch mit den Bikes nach Roveretto um dort, den von uns reservierten Zug zu erwischen. War noch ein gemütliches ausrollen.

FAZIT:

Die Alpentrailer Transalp ist eine hochalpine extreme Variante, bei der neben konditionellen Ansprüchen auch einiges an alpiner Erfahrung von Nöten ist. Man bewegt sich fast täglich zwischen 2500 und 3000 Metern Höhe. Das Bike wird mindestens die Hälfte aller Höhenmeter geschoben/getragen und für die Trails sollte man S3 sicher fahren können. Ansonsten gibt es ebenfalls anspruchsvolle Alternativen (Siehe Alpencross über die Fürkelescharte / Direttisima), bei denen die Trails nicht ganz so gefährlich sind. Landschaftlich gibt es die Creme de la Creme der Ostalpen. Man muss sich bewusst sein, dass jede einzelne Etappe NICHT am eigenen körperlichen Limit sein darf. Sonst schafft man die 6 Tage nicht. Das Risiko in dieser Höhe ist recht groß – deshalb können wir die Tour nicht weiterempfehlen.