Alpencross über Eisjöchl und Schneebergscharte

Letztes Jahr war uns witterungsbedingt ein durchkommen zum Gardasee leider verwehrt. Zuviel Schnee und Regen vereitelte unseren ersten Versuch. Wir mussten am Brenner durchnässt und durchfroren leider aufgeben. Dieses Jahr sollte alles anders kommen – so war es zumindest geplant. Die Wettervorhersage ließ allerdings auch nichts Gutes erahnen. Allerdings: wir waren entschlossen! Egal ob Schnee oder Regen diese mal wollten wir unserem Ziel in Riva näher kommen.

Tag1:
Von Fritzens über Weidener Hütte und Geiseljoch bis Madseit. Knapp 2000 Hm auf 45km – die Fakten lesen sich durchwegs machbar. Außerdem kannten wir ja bereits diese Etappe. Einteilung ist das halbe Leben das lernten wir bereits letztes Jahr. Gilt es die 2000 hm in einem Stück zu fahren. Das Geiseljoch zeigte sich von seiner schönsten Seite. Durch die dichten Nebelschwaden blinzelte immer kurz die Sonne und je näher wir Richtung Zillertal kamen umso schöner wurde es. Die Abfahrt nach Madseit ließ nur bedingt Trailfeeling aufkommen. Trotz schlechter Wetterprognose hielt es und wir waren froh das Petrus zumindest am ersten Tag auf unserer Seite war.

GPS Daten
1989 HM
44,9 km

Tag2:
Die ganze Nacht regnete es durch und auch morgens nieselte es noch. Die Temperaturen ließen auch zu wünschen übrig, so dass wir nach eingehender Beratung entschlossen den Lift der Sommerbergbahn zu nehmen um dann im Schneetreiben über das Tuxerjoch zu gelangen. Eine Entscheidung die uns sehr schwer gefallen ist. Bei „Fair means“ wäre der Plan gewesen, aber da wir beide ein Déjà-vu von unserem letzten Versuch hatten zogen wie die Seilbahnunterstützung doch in betracht. Am Tuxerjoch waren wir bei einigen Graden im Minus über unsere Entscheidung sehr dankbar. Wir waren nämlich nicht so, wie im letzten Jahr bis auf die Haut durchnässt. Der Trail (S2/S3) vom Tuxerjoch brachte durch den Schneefall noch ein klein wenig mehr Herausforderung mit sich. Durch das Schmirntal wurden wir noch von ausklingenden Regen begleitet doch je näher wir uns der Sattelalm und dem Brenner Grenzkamm näherten desto schöner und auch wärmer wurde es. Am Sattelberg angekommen wurden wir für unser Durchhaltevermögen belohnt. Komplett alleine bei Sonnenschein flogen wir die 10km der Grenzstraße bis zum Kaunergraben. Ab da beginnt dann ein absolutes Trail-Highlight. Nicht allzu schwer mit durchschnittlich S1/S2 (vielleicht eine Stelle S3) schlängelt sich der Singletrail flowig Richtung Gossensaß und dann zu unserem Tagesziel nach Sterzing.

GPS Daten
1959 HM (abzgl Lift)
62 km

Tag3:
Die Schneebergscharte stellt bei unserer Alpencross eines der Highlights dar. Bereits im Vorfeld las man in der ein oder anderen Fachbroschüre über einen der schönsten Alpenübergänge. Das morgendliche Einrollen durch das Ridnauntal ging recht zügig voran. Die steile Auffahrt vorbei am Bergbaumuseum lies dann erstmals den Puls anständig in die Höhe schnallen. Danach wurde es einfach wunderschön. Vorbei an der alten Förderungsseilbahn und stetig ansteigend gab es konditionell aber auch visuell einiges zu tun. Ab der Moarerbergalm beginnt dann die Trageetappe. Anfangs philosophierten wir noch vor uns her, wo denn die berühmte Schneebergscharte denn sein könnte. Ein mögliches Ziel glaubten wir auch bereits gefunden zu haben. Doch wir täuschten uns! Es ging steiler und weiter den Berg hoch und nach jeder Kuppe ging es wieder ein paar Höhenmeter weiter. Nach einiger Zeit erreichten wir dann überglücklich die Scharte und freuten uns über die kommende Trailabfahrt. Oben noch ein wenig verblockt (S3) wird der Trail Richtung Schneeberghaus immer flowiger (S1/2). Nach einer kräftigen Stärkung vernichteten wir dann Höhenmeter um Höhenmeter Richtung Moos im Passeier. Da wir ein wenig zu spät gebucht hatten bekamen wir nur mehr noch einen Platz in Innerhütt. So mussten wir weitere 400 hm noch auf Asphalt hochstrampeln. Im nachhinein betrachtet sicher einer der schönsten Übergänge der gesamten Tour.

GPS Daten
2408 HM
49,02 km 


Tag4:
Wieder gibt es einen sehr dankbaren Start über die Asphaltstraße bis nach Lazins. Ideal um die kalten Glieder wieder in Schwung zu bekommen. Das Wetter hat sich auch wieder eingetrübt und empfindlich abgekühlt. Ab der Lazinser Alm hieß es dann wieder schieben und tragen. Knapp 1000 hm später erreichten wir die Stettiner Hütte bzw. das Eisjöchl. Der Name war Programm – eisiger Wind blies uns um die Ohren. Die 1000 HM ließen sich schiebend recht passabel und schnell hinter sich bringen. Gefühlt deutlich einfacher als noch auf der Schneebergscharte. Der Trail Richtung Eishof (S2) zauberte uns dann wieder ein schmunzeln aufs Gesicht. Ein wenig über motiviert dauerte es auch nicht allzu lange bis der Hinterreifen sich mit einem lauten Knall verabschiedete. In Naturns (Vinschgau) rollten wir dann bereits um 14 Uhr ein. Der Nachmittag wurde dann mit viel Kaffee und Kuchen überdauert. Der Kohlenhydrat speicher musste ja wieder aufgeladen werden.

GPS Daten
1523 HM
41,48 km


Tag5:
Der angekündigte Wettersturz mit Schnee bis in tiefe Lagen kam dann tatsächlich. Temperaturen im Tal knapp um den Gefrierpunkt veranlasste uns dazu einen Tag Pause einzulegen. Wir hofften das sich das Wetter am nächsten Tag bessern würde. Also noch mehr Kohlenhydrate …..

Tag6:
Der Blick aus dem Fenster versprach nichts Gutes. Noch immer Regen (aber immerhin kein Schnee mehr) im Tal und die Berge tief verschneit. Unsere geplante Etappe (Vigiljoch und Rabijoch) musste von Grund auf überdacht werden ansonsten würden wir den Gardasee nicht zu sehen bekommen. Da wir bereits einmal unseren Vorsatz ohne Lift-Unterstützung aus zukommen über Bord geworfen haben, viel es uns nun leichter dasselbe nochmal zu tun. Wir fuhren mit der Seilbahn Aschbach Richtung Vigiljoch. Oben erwartete uns bereits schönstes Winterwetter mit Sturmböen und eiskalten Wind. Wir passierten das Vigiljoch und probierten unsere Etappe soweit als irgendwie möglich zu vervollständigen. Als wir dann in 30 cm Stecken blieben, entschieden wir uns in das Tal ab zufahren. Dabei erwischten wir eine schöne Trail-Variante die in Anbetracht des vielen Schnees ziemlich anspruchsvoll war. Das Rabijoch gaben wir entnervt auf, entschieden uns aber weiter auf Asphalt Richtung Val di Sole zu fahren. Die vielen Tunnel und die falsche Linienwahl über einen sehr steilen Pfad machten diese „Not-Etappe“ nochmals sehr spannend. In Cagno schlugen wir dann spontan unser Lager für die Nacht (Hotel) auf.

GPS Daten
1974 HM
50 km

Tag7:
Da unser Shuttledienst (zwei Freunde von uns) einen Teil der letzten Etappe mit uns fahren wollten und deren Anreise erst Samstags war teilten wir kurzerhand diese Etappe nochmals in zwei Hälften. Für uns war es somit deutlich entspannter. Unsere Etappe führte uns im Val die Sole über Dimaro nach Madonna di Campiglio. Diese letzten 1000 Hm nach Madonna sind mit Sicherheit nicht die Schönsten aber brachten uns unserem Ziel wieder ein Stück näher. Unsere Unterkunft in Madonna erreichten wir bereits um die Mittagszeit. Bei strahlendem Sonnenschein entspannten wir unsere Glieder auf der Terrasse. Mit großer Vorfreude feierten wir in den nächsten Tag hinein.

GPS Daten
1368 HM
36,68 km

Tag8:
Grande Finale! Endlich! Nach unserem letztjährigen Versuch gilt es nun, nur mehr noch die letzten Kilometer Richtung Gardasee zu rollen. Ein ausgesprochen „cooles“ Gefühl. Vorbei geht es nun unterhalb der Brenta über den Passo di Bregn (Bärenpass) nach Stenico und danach über den Passo Ballino nach Riva. Der Bärenpass entpuppt sich noch als wahrer Leckerbissen. Traumhaft gelegen in alpiner Kulisse und gespickt mit ein paar feine Trails. Danach heißt es die Bremsen zum glühen zu bringen. 2880 HM nur bergab! In Stenico angekommen trafen wir uns mit unseren Freunden. Die letzten Höhenmeter über den Passo Ballino gleichten einer entspannten Sonntagsfahrt. Überglücklich standen wir dann um 15 Uhr an unserem Ziel: Riva! Nach einer kräftigen nächtlichen Feier und Generalüberholung unsererseits ging es dann wieder ab nach Hause.

GPS Daten
1367 HM
62,74 km